Samstag, 4. Juli 2009

Stilikone Juli


Der Stil? Puristisch, elegant, zeitlos


Pralines Stilikone im Juli ist Carine Roitfeld, die Chefredakteurin der "French VOGUE". Die Presse nennt sie "Anti-Anna", sie selbst nennt sich "Punk der VOGUE Familie" und Pralines nennt sie"Die zeitlose Stilikone".

Sie hält sich zwar bei den Farben und Mustern zurück, zeigt aber eine deutliche Schwäche für Schnitte und Eleganz. Eleganz ist das Stichwort, wenn es um Carine geht. Denn genau das strahlt sie mit ihrem Stil und ihrer Art aus. Sie ist direkt, ehrlich, exzentrisch, bodenständig und hasst Taschen. Ihren Look kann man ganz einfach beschreiben: Pariser Chic - an ihr ist es puristisch, elegant und vorallem zeitlos. Auch die auf dem ersten blick auf Dauer getragenen und dadurch langweilig wirkenden Töne, wie Schwarz, Weiß und Khaki, sehen an Roitfeld unglaublich stylisch, frisch und latest fashion aus. Dabei lautet ihr Credo : Folgt nicht der Mode!



Carine Roitfeld, geboren am 19.09.54 in Paris, darf sich seit 2001 die Chefredakteurin der französischen Vogue nennen. Ihr Vater, ein russischer Filmproduzent und ihr Idol,und ihre Mutter, ein klassische Frau aus Frankreich, sind die zwei Menschen, die Carine am meisten prägten. Ihr Ehemann, Christian Restoin, opferte seinen Job für Carines VOGUE Karriere, und wie sich heute herausgestellt hat, war das keine all zu schlechte Investition. Denn heute darf er das Ex-Model seit fast 30 Jahren "sein" nennen und wurde sogar von ihr mit zwei Kindern beschenkt.


Im Alter von 18 Jahren hatte Carine Roitfeld mit demModeln begonnen, nachdem sie auf der Pariser Straße durch einen britischen Fotographen entdeckt wurde. Ihren Worten zur Folge war sie kein Star, sondern ein einfaches ab un zu mal gebuchtes Model. Später machte sie das Schreiben zu ihrer Aufgabe und wurde daraufhin Stylistin bei der französischen ELLE. Auch ihre damals noch kleine Tochter wurde für Model-Jobs gebucht und nach einem Shoot mit Mario Testino, folgte eine Zusammenarbeit mit diesem. Sie wurden unter anderem engagiert von der French und American VOGUE. Sechs Jahre lang stellte das Nebenbei-Model auch noch die Muse für Tom Ford, Gucci und Yves Saint Laurent dar. Bis sie letzendlich 2001 durch Jonathan Newhouse zur French VOGUE geholt wurde.


Aus WELT ONLINE -kommentiert von Pralines

Carine Roitfeld ist Chefredakteurin der französischen Vogue und gilt als die Muse des Augenblicks. Dabei hat sie ein für die Branche eher merkwürdiges Motto. Nämlich: Niemals der Mode folgen!

Wahrscheinlich gibt es keinen unglamouröseren Ort in Paris als die Redaktion der französischen Vogue. Direkt gegenüber dem Élysée-Palast, in einem Hinterhof-Neubau, befinden sich die Räume des Modemagazins. Das Vorzimmer der Chefredaktion hat weniger Charme als das Wartezimmer eines Arbeitsamtes. Carine Roitfeld, die Chefredakteurin, sitzt an einem Glastisch. Sie zieht ihre riesengroße Hornbrille ein wenig tiefer, scannt den Gast und bietet stilles Wasser in einem Wegwerfbecher an.


Carine Roitfeld : Bonjour, ich mag Ihre Uhr. Roségold, non?

WELT ONLINE: Ja, das stimmt!

Roitfeld : Sie glitzert so hübsch. Von welcher Marke ist Ihre Strickjacke?

WELT ONLINE: Lassen Sie uns lieber über Ihren Stil sprechen. Wie haben Sie heute Morgen Ihr Outfit zusammengestellt?

Roitfeld : Wissen Sie, für mich ist das ganz einfach, denn ich weiß ganz genau, was mir steht. Ich habe in den letzten Tagen sehr viel Schwarz getragen, und heute war mir nach einer Farbe zumute. Also habe ich als Erstes diese Balenciaga-Jacke in Kaki herausgeholt. Sie ist schon vier Jahre alt, und ich wusste, dass dieser schmal geschnittene Rock dazu passt. Außerdem bin ich noch ein wenig gebräunt und wollte deshalb keine Strümpfe anziehen. Es ging also ganz schnell. Ich kenne meinen Stil und meine Farben.

WELT ONLINE: Stimmen Sie Miuccia Prada zu, die behauptet, Frauen sollten nicht auf einen Dresscode achten, sondern instinktiv die Kleider aus ihrem Schrank ziehen?

Roitfeld : Ganz sicher. Vor allem aber muss man wissen, was einen schöner macht, und immer darauf achten, dass man ein besonderes Merkmal hat. Es geht nicht darum, schön auszusehen, sondern sich selbst schön zu fühlen. Und man sollte niemals der Mode folgen.

WELT ONLINE: Und das sagen Sie als Chefredakteurin der französischen Vogue?

Roitfeld : Ja, während der Shows sehen wir so viele Kollektionen. Und wenn sie in die Läden kommen, ist das Neue schon das Alte für mich. Da ist es doch besser, wenn man einfach das trägt, was man selbst mag - unabhängig von Trends.(Anmerkung Pralines: Auf diesen wunderschönen Punkt möchte ich in einem Artikel später noch eingehen)

WELT ONLINE: Auch wenn man kein Französisch spricht, versteht man Ihre Vogue sofort. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Roitfeld : Ich bin eine typische Yves-Saint-Laurent-Frau aus den Siebzigern. Auch sie war sexy, selbstbewusst und eckte an. Diese Lebenseinstellung möchte ich weitergeben. Denn die Magazine zeigen sowieso das gleiche Zeugs. Also müssen wir uns unterscheiden. Wir wollen kontrovers sein und zeigen rauchende Frauen auf dem Cover oder gefesselte, nackte Models. Feministinnen schreien mich dafür an. Aber das pusht mich in die richtige Richtung. Die anderen "Vogue"-Ausgaben in England, Deutschland oder in den USA sind sehr klassisch. Ich bin der Punk in der Vogue-Familie. Oder Sie können auch sagen, dass wir eine Art Barbie-Vogue sind. Wir denken hier alle gleich. Uns unterscheidet nur eins: Ich hasse Handtaschen, meine Kolleginnen lieben sie.

WELT ONLINE: Moment, Sie mögen keine Taschen?

Roitfeld : Ja, ist das nicht schlimm? Vor allem in dieser Zeit, wo es doch nur um eins geht: Taschen, Taschen, Taschen. Ich mag es lieber, alles in meiner Jacke zu verstauen.

WELT ONLINE: Geht es in der Modebranche wirklich nur noch um die Accessoires?

Roitfeld : Nicht überall. Comme des Garçons ist meine Lieblingsshow, weil man sich den Luxus erlaubt, keine Taschen zu zeigen. Ich verstehe, wenn ein Haus wie Louis Vuitton Gepäck zeigt. Damit hat dort schließlich alles angefangen. Aber bei Dior oder Saint Laurent ist es absurd. Das waren doch mal angesehene Modehäuser, und jetzt wollen sie nur noch Taschen verkaufen.

WELT ONLINE: Sie bekommen doch sowieso alles umsonst von den Designern.

Roitfeld : Ach, heute verschicken die Häuser keine Geschenke, sondern Charity-Karten. Aber ich habe eine Model-Größe und kann mir Outfits aussuchen, die wir fotografiert haben. Das ist sehr freundlich. Alles wird eben kleiner, weniger Geschenke ...

WELT ONLINE: ...weniger Glamour ...

Roitfeld : Ja, leider. Mode ist zu einem Geschäft geworden. Aber diese Seite möchte ich in meinem Magazin nicht zeigen. Die Menschen wollen träumen. Was ich mag, ist die Mode. Ich liebe es, zu den Schauen zu fahren. ( Anmerkung Pralines: Genau deshalb achte ich auch gar nicht mehr auf Konkurrenz. Denn für mich ist Pralines eine Leidenschaft und kein Mittel zum Zweck oder gar ein Wettkampf.)

WELT ONLINE: Ihr Stil wurde durch die Zusammenarbeit mit Tom Ford weltberühmt, er hat Ihnen sogar eine ganze Kollektion gewidmet. Sie trugen zu dieser Zeit immer Schwarz. Die Branche war ganz schockiert, als Sie auch mal etwas Grünes anhatten.

Roitfeld : Grün? Ich? Das kann nicht sein. Ich trage nur drei Farben: Schwarz, Weiß und Kaki. Wenn man älter wird, hilft das. Schwarz ist zu hart für den Teint.

WELT ONLINE: Vermissen Sie die Arbeit mit Tom Ford?

Roitfeld : Es ist einfach anders heute. Die Zeit mit Tom war perfekt. Obwohl er Männer liebt, hat er eine ganz besondere Art, mit Frauen umzugehen, mit ihnen zu flirten. Und es ist sicher nicht das Schlechteste, zehn Jahre lang einen Flirt mit Tom Ford gehabt zu haben, non? Alles war damals möglich. Wir produzierten Sex-Fotos für Anzeigenkampagnen, und niemand hat sich aufgeregt. Es war lustiger als heute. Heute wird einfach gearbeitet. Es geht um tragbare Kleider ... Toms Vision ist demodeé.

WELT ONLINE: Sie sind sehr schlank. Können Sie die Diskussion um Mager-Models verstehen?

Roitfeld : Oh, là, là! Mode sieht an dünnen Frauen einfach besser aus. Ich finde es trotzdem schlimm, wenn Frauen hungern, um Model zu werden. Man kann sich normal ernähren und schlank bleiben. Für den Job zu sterben ist unschön.

WELT ONLINE: Designer wie Prada wollen keine dünnen Models mehr engagieren.

Roitfeld : Das ist absurd. Es geht doch um ein Ideal. Als Karl Lagerfeld seine Kollektion für H&M entworfen hat, besuchte ich ihn bei den Anproben. Sie hatten aber keine Models gebucht, sondern Angestellte probierten die Kleider. Karl war ein wenig, sagen wir, verwirrt. Aber H&M wollte, dass die Kleidung normalen Leuten passt.

WELT ONLINE: Sah es gut aus?

Roitfeld : Es war einen Versuch wert.

WELT ONLINE: Das klingt überheblich.

Roitfeld : Nein, alle denken das immer. Aber die Modebranche ist ein anstrengender Job, und man ist nicht automatisch dumm, wenn man dort arbeitet.( Anmerkung Pralines: Genau mit diesem Problem habe auch ich jeden Tag zu kämpfen. )

WELT ONLINE: Das denken aber viele.

Roitfeld : Idioten gibt es überall. Und ob eine Krankenschwester einen intellektuelleren Beruf ausübt, weiß ich nicht.

WELT ONLINE: Dennoch gibt es in Ihrer Branche abends mehr Partys als im Krankenhausflur.

Roitfeld : Na und? Das eine schließt doch das andere nicht aus. Ich genieße das alles jeden Tag und bin dankbar für diese Aufgabe. Denn ich bin mir darüber im Klaren, dass ich in der Modeszene irgendwann nicht mehr "in fashion" bin. In drei oder vier Jahren sitzt hier jemand anderes.

WELT ONLINE: Das hört sich so angenehm bodenständig an.

Roitfeld : Man muss gelassen bleiben und sich nicht so wichtig nehmen. Vor den Schauen stehen immer Fotografen herum, die meine Kollegen und mich fotografieren wollen. Ich bin immer freundlich und lache in die Kamera. Wissen Sie warum? Ich respektiere jeden Job. Und diese Menschen machen auch nur ihre Arbeit. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich mit einem Lachen viel besser aussehe. Es ist doch kein Drama, zu den Modeschauen zu gehen und sich wunderschöne Kleider von der ersten Reihe aus anzusehen. Wenn ich mir aber den bösen Gesichtsausdruck vieler meiner schlecht gelaunten Kolleginnen ansehe, glaube ich, dass ich da wohl eine Ausnahme bin, non? ( Anmerkung Pralines: Sie meint damit höchstwahrscheinlich Anna Wintour)


1 Kommentar:

paonne hat gesagt…

super interessant :)